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Waldbrandbekämpfung // WFF

Seit nunmehr fast 10 Jahren befasst sich @fire mit der Ausbildung ihrer Mitglieder in der überregionalen Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung und verfügt so mittlerweile über ständig einsatzbereite Spezialkräfte. Diese Crews sind spezialisiert auf

  • den Schutz von Häusern (structure protection)
  • den schnellen Erstangriff eines Brandherdes (initial attack) ggf. auch per Helikopter
  • das direkte Arbeiten an der Flammenfront (hot lining)
  • das indirekte Arbeiten an der Feuerfront durch Anlegen von Schutzschneisen und dem Ausbrennen dieser Schneisen (Burnout)

Der Vorteil dieser Crew ist die schnelle Einsatzbereitschaft, der problemlose Transport und die hohe Mobilität. Nicht nur in schwer zugänglichen Regionen hat sich diese Einsatzform bewährt. In der Kombination mit Wasserabwürfen von Flugzeugen / Helikoptern und sofern das gelände zugänglich ist mit Löschfahrzeugen kann eine Handcrew dann ihre volle Schlagkraft entfalten.

Eine schnelle Einsatzbereitschaft ist dadurch gegeben, dass für den Transport alle Einsatzmaterialien wie Handwerkzeuge, Motorkettensägen, kleine Pumpen mit Schläuchen und Armaturen, Kommunikations- und Einsatzlogistik in Transportkisten verpackt und ständig einsatzbereit sind. Eine Handcrew umfasst je nach Einsatzlage 10 bis 20 Mitglieder.

Heißer Süden

Seit Monaten ist kaum ein Tropfen Regen gefallen, die Flüsse und Bäche sind in großen Teilen des Landes ausgetrocknet, Fische sterben und alle Pflanzen lassen völlig verdorrt ihre Köpfe hängen. In diesem Sommer ist nicht nur Südeuropa von verheerenden Bränden betroffen, auch den Süden Deutschlands erwischt es im Moment. Zunächst konnten kleinere Brände noch von den Feuerwehren gelöscht werden, doch mit andauernder Hitzewelle nahmen die Einsätze zu und die Ausbreitungsgeschwindigkeiten waren kaum noch zu Händeln. Als an diesem Tag gleich mehrere Brände im Naturpark Schönbuch (Landkreis Tübingen) ausbrachen und ein Busunglück auf der Autobahn zahlreiche Verletzte forderte, wurde der Katastrophenfall ausgerufen, um damit Hilfsorganisationen aus ganz Baden-Württemberg um Hilfe zu bitten.

Landkreis Tübingen, 14.10.2017 – Etwa 2300 Einsatzkräfte aus den Regierungsbezirken Tübingen und Stuttgart mit 350 Fahrzeugen kamen am vergangenen Samstag zusammen, um an der größten Katastrophenschutzübung im Süden Deutschlands mit dem Szenario „Waldbrand“ teilzunehmen. Ausgehend von mehreren Einsatzstellen, darunter einige große Wald- und Flächenbrände sowie resultierende Folgeeinsätze, mussten abgearbeitet werden. Einer der ersten Einsatzkräfte war Kreisbrandmeister des Landkreises Tübingen Marco Buess. Er erkannte die besondere Lage und forderte Unterstützung bei @fire an, einer auf Vegetationsbrandbekämpfung spezialisierten Hilfsorganisation an. Daraufhin rückte eine Einheit mit 25 Frauen und Männern vom Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Ofterdingen in Richtung Tübingen aus. Darunter zwei Fachberater Vegetationsbrand, die dem Einsatzstab der Feuerwehr zur Seite standen, zwei geländegängige Tanklöschfahrzeuge, sowie Pick-Up-Fahrzeuge mit eigener, speziell für den Waldbrand ausgelegten Löscheinrichtungen und Handwerkzeugen zur Waldbrandbekämpfung. Unterteilt in drei Einheiten fuhren sie die verschiedene Einsatzstellen im Naturpark Schönbuch an, um die örtlichen Feuerwehreinheiten zu unterstützen.

Einsatzstelle Dettenhausen, Landkreis Tübingen

Die erste Waldbrandeinheit (ein sogenanntes Squad, vergleichbar mit einer Staffel) kam an der Einsatzstelle nahe Dettenhausen mit einem Tanklösch- und einem Führungsfahrzeug mit fünf @fire-Kräften zum Einsatz. Ein Flächenbrand drohte laut angenommener Lage auf das nahegelegene Waldgebiet und auf ein Waldhaus überzugreifen. Gemeinsam mit der Freiwillige Feuerwehr Dettenhausen wurden die Löscharbeiten aufgenommen. Ein Augenmerk lag auf der Ausbildung alternativer Brandbekämpfungstaktiken.

Mittels gemeinsam besprochenen Vorgehen konnte der Flächenbrand eingedämmt und ein Übergreifen auf den Wald zu verhindert werden. Zusätzlich entschied die Einsatzleitung der Feuerwehr eine Wasserförderung über etwa einen Kilometer aufbauen zu lassen, um das Waldhaus zu schützen. Geübt wurde hierbei unter realistischen Bedingungen. Nachdem die Lage unter Kontrolle und ein ausbreiten des Feuers nicht mehr möglich war, verließ der @fire-Squad die Einsatzstelle um an der zweiten zugewiesenen Einsatzstelle zu unterstützen.

Einsatzstelle Forstausbildungsstätte bei Ammerbuch, Landkreis Tübingen

Auch nahe einer Betriebsstätte des Forstes zwischen Bäumen am Rand einer Lichtung, kam es durch den „heißen Süden“ zu mehreren Wald- und Flächenbränden. Erneut galt es, die Feuer einzudämmen und ein Übergreifen an umliegende Holzhäuser zu verhindern. Zusammen mit den Kameraden der Feuerwehr wurde eine gemischte Einsatzmannschaft gebildet, die unter Anleitung einer @fire-Führungskraft zum Einsatz kam.

Einen Eindruck von der Einsatzstelle und den Herausforderungen und Besonderheiten beim Waldbrandeinsatz konnten sich hierbei auch der Innenminister von Baden-Württemberg, Thomas Strobl und der Abteilungsleiter für Bevölkerungsschutz und Krisenmanagement des Innenministeriums, Prof. Hermann Schröder machen. Seine Anerkennung zur Übungsteilnahme signalisierte Thomas Strobl den Einsatzkräften nicht nur beim Besuch an der Einsatzstelle: „Diejenigen, die heute bei der Übung im Einsatz sind, sind die gleichen, die im Einsatz sind, wenn es ernst wird.“ (Stuttgarter Nachrichten)

Fachberater Vegetationsbrandbekämpfung im Einsatzstab

Neben den Löscharbeiten an den Einsatzstelle standen dem Einsatzstab, welcher im Landratsamt Tübingen eingerichtet war, zwei Fachberater Vegetationsbrand beratend zur Seite. Sie unterstützten die Sachgebiete mit Fachwissen zur Vorhersage des Brandverhalten, beobachteten die Wetterverhältnisse und hielten Kontakt zu den Spezialkräften im Einsatz.

Das eigene Resümee lautete ähnlich wie das der Übungsorganisatoren: Insgesamt konnte die Zusammenarbeit der eingesetzten Kräfte als Erfolgreich bewertet werden. Darüber hinaus konnten durch Übungsannahme und Aufgabenstellung wertvolle Informationen gewonnen werden, um Arbeit und Einsatz in Zukunft noch besser zu gestalten. Das eigene Resümee lautete ähnlich wie das der Übungsorganisatoren: der Tag war erfolgreich und hat Problemstellen aufgezeigt, an denen gearbeitet werden muss.