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Suchen & Retten // USAR

Such- und Rettungseinsätze sind die erste Maßnahme der humanitären Hilfe nach Katastrophen, wie zum Beispiel Erdbeben. In kürzester Zeit nach Eintritt einer Katastrophe sind die Helfer von @fire unterwegs, um den Betroffenen vor Ort schnell zu helfen. Bei der Rettung Verschütteter ist jede gewonnene Minute wertvoll!

Der Schwerpunkt liegt hier besonders darin, Verschüttete in den Trümmern zu lokalisieren, sie zu retten und medizinisch zu versorgen. Hierzu hält @fire spezielle Ausrüstung bereit, die von Ortungsgerätschaften über Bergungsgeräte bis hin zu medizinischer Ausrüstung reicht. Unsere Helfer sind Spezialisten im Suchen und Retten von Verschütteten sowie der medizinischen Notversorgung. Unterstützt werden sie bei den Rettungsarbeiten durch speziell ausgebildete Suchhunde, welche mit ihrer feinen Nase wertvolle Hilfe leisten.

USAR = Urban Search and Rescue (englisch für "Suchen und Retten in bewohnten Gebieten")

Vollübung USAREX 2018

Vom 12. bis zum 14. September simulierten wir in einer 36 Stunden dauernden Übung ein „Full Deployment“, also einen vollen USAR-Einsatz im Ausland nach den kommenden INSARAG-Richtlinien für sogenannte „Light Teams“.

Diese zeichnen sich vor allem durch volle Autarkie sowie der Vorhaltung der fünf Komponenten (Führung, Logistik, Medizinische Versorgung, Suche und Ortung) aus.

Auf dem Trümmergelände in Mosbach musste sich ein 18-köpfiges Team einem simulierten Auslandseinsatz nach einem Erdbeben stellen. Dabei kamen neben eigenen Kräften auch zwei Kollegen unserer Partnerorganisation S.A.R.A.I.D aus Großbritannien sowie zwei Paramedics aus den USA zum Einsatz. Wie in der Realität begann die Übung mit einem Hilfeersuchen des von einem Erdbeben betroffenen Landes an die UN, woraufhin durch den @fire-Stab ein Team zusammengestellt wurde.

Die Teammitglieder sammelten sich anschließend im Bereitstellungsraum bei der Feuerwehr Neckargemünd, wo das Material ein letztes Mal überprüft wurde, bevor es zum (simulierten) Flughafen ging.

Nach einem kurzen Flug wurde das Team im Gastland bereits an der Grenzkontrolle erwartet. Die Zöllner, ebenfalls Mitglieder von @fire, die in diese Rolle geschlüpft waren, machten dem Team bei ihrer akribischen Suche nach verbotenen Gegenständen und mit detaillierten Nachfragen zum geplanten Einsatz ordentlich Druck. Auch wenn eine solche Situation in humanitären Einsätzen nicht unbedingt auf der Tagesordnung steht, kann es je nach Einsatzland und Einreiseweg durchaus vorkommen, dass selbst Teams im UN-Auftrag an der Grenze in Schwierigkeiten kommen können. Nach einigen Diskussionen schaffte es das Team aber die Zöllner zu überzeugen, Personal und Material vollständig einreisen zu lassen.

Anschließend erfolgte der Transfer zur Base-of-Operations nahe dem Trümmergelände. Doch noch während das Team die Zelte aufschlug, musste ein Teil des Personals bereits zu einer ersten Einsatzstelle in einer Stunde Entfernung ausrücken, weil unter den Trümmern noch Verschüttete vermutet wurden, deren Rettung keinen Aufschub duldete.

Kurz nach Beendigung der Aufbauarbeiten musste auch das verbliebene Personal ausrücken, wodurch das neue Konzept durch zwei parallele Einsatzstellen und die damit verbundene Aufteilung von Personal und Material sich schon gleich zu Anfang beweisen konnte.

Das zweite Team sah sich mit einem Tunnelsystem in den Trümmern eines Gebäudes konfrontiert, in dem noch eine Person lokalisiert wurde. Während sich das medizinische Personal noch durch das Beiseiteschieben von Trümmern zum Patienten vorarbeiten konnte, musste für dessen Rettung der Tunnel von einigen Hindernissen befreit werden.

Bei den Hindernissen handelte es sich um Einrichtungsgegenstände aller Art, wie sie auch in echten Einsatzlagen zwischen den Trümmerstrukturen vorzufinden sind. So nahmen Teammitglieder in den engen Räumen Säbelsäge und Bolzenschneider vor, um den Weg frei zu machen.

Diese Arbeiten erforderten eine enge Koordination mit den behandelnden Sanitätern um die Erschütterungen und die Lärmbelästigung für den Patienten möglichst gering zu halten. So konnte der Patient nach einigen Stunden vorsichtig durch den nun etwas breiteren Tunnel ins Freie bugsiert werden. Die andere Einsatzstelle wurde nahezu zeitlich abgeschlossen, sodass sich in den frühen Morgenstunden das gesamte Team im Camp befand.

Nach einer zweistündigen Nachtruhe wurde erneut ein kleines Team zu einer Assessment-Mission - der Erkundung von Schadstellen - gerufen. An den drei untersuchten Gebäuden konnten aber keine Hinweise auf verschüttete Personen gefunden werden.

Parallel rückte ein Großteil der Mannschaft zu einer weitläufigen Schadstelle aus, in der mehrere verschüttete Personen vermutet wurden.

Da das erste gefundene Opfer mit dem kompletten Unterkörper unter schweren Betontrümmern eingeklemmt war, musste parallel zur notfallmedizinischen Versorgung des Patienten das Anheben der Strukturen zur Entklemmung vorbereitet werden.

Während der gesamten Rettungsarbeiten wurde das Team durch den Besitzer des eingestürzten Hotels in Atem gehalten, der aufgebracht durch das sicherheitsbewusste und damit in seinen Augen zu langsame Arbeiten mehrfach diese zu stören versuchte. Auch die internationale Presse erschien am Einsatzort.

Mittels Hebekissen gelang es schließlich die verschüttete Person zu entklemmen, woraufhin die Rettung vom Trümmerberg erfolgen konnte.

Gerade als das Team die Einsatzstelle verlassen wollte, erhielt der Hotelmanager die SMS eines Mitarbeiters, der angab, sich noch in den Trümmern zu befinden. Während die Einsatzkräfte das Material wieder aus den Fahrzeugen auslud, machten sich die Spezialisten der biologischen und technischen Ortung mit Rettungshunden und Endoskopkamera auf den Weg in die Trümmer um den Verletzten zu lokalisieren.

Nachdem der erste Hund eine Spur anzeigte, gelang es kurz mit dem Verschütteten Kontakt aufzunehmen, der aber im weiteren Verlauf wieder abbrach.

Dafür schlug der Hund an einer weiteren Stelle an, sodass eine zweite Person in den Trümmern vermutet werden musste. Dies wurde durch einen dritten Hund bestätigt. Hierbei gilt der Grundsatz, dass ein Fund erst als sicher gilt, wenn zwei Hunde an der gleichen Stelle einen Geruch wahrnehmen, um Fehler durch Störfaktoren, die den Hund ablenken, zu minimieren.

Kaum hatten die Hunde den Bereich verlassen, machten sich die Spezialisten der technischen Ortung ans Werk, um die Position der Verletzten genauer festzustellen und eventuelle Rettungsmöglichkeiten zu erkunden.

Da die Personen zwischenzeitlich beide das Bewusstsein verloren hatten, musste auf den Einsatz spezieller Mikrofone, dem Geofon, verzichtet werden.

Durch das Entfernen kleiner Trümmer gelang es rasch mit einer speziellen Suchkamera ein Bild des ersten Patienten zu erhalten, der in einem Hohlraum gefangen war, sonst aber nicht weiter eingeklemmt zu sein schien. Da der Eingang zum Hohlraum nur mit kleineren Trümmern verschlossen war gelangte das Team durch das manuelle Entfernen der Steine zum Verletzten und konnte diesen nach einer Erstversorgung rasch retten.

Bei der zweiten Patientin gestaltete sich der Zugang schwieriger, nur durch ein winziges Loch gelangte der Kamerakopf der Searchcam nach etlichen Versuchen in den Hohlraum mit der Patientin. Da dieser mit Schutt und Abfall gefüllt war, war es schwierig auf dem Monitor die Konturen des menschlichen Körpers von den anderen Dingen im Raum zu unterscheiden.

Die nähere Inspektion ergab, dass der Zugang am besten über eine große Betonplatte erfolgte, die fast senkrecht den Hohlraum begrenzte. Um den Durchbruch für die Patientin so sicher wie möglich zu gestalten, wurde zunächst mittels Kernbohrung ein weiterer Zugang für die Kamera geschaffen, um festzustellen, ob durch den Durchbruch Betonteile auf die Person stürzen könnten.

Anschließend wurde der eigentliche Durchbruch mittels Trennschleifer geschaffen. Nachdem das Loch fertig gestellt wurde, konnten die Sanitäter die Patientin erreichen. Eine erste Untersuchung offenbarte einen zusehends schlechter werdende Zustand, sodass die Sanitäter das restliche Team zur Eile bei den Vorbereitungen zur Rettung antrieben.

Trotz aller Bemühungen musste die Patientin zeitweise noch in den engen Trümmern reanimiert werden, eine enorme Herausforderung für das medizinische Personal. Zum Glück zeigten die Maßnahmen Erfolg, sodass die Person schließlich über die Trümmer gerettet und dem lokalen Rettungsdienst zur weiteren Behandlung übergeben werden konnte.

Diese Lage forderte alle Fähigkeiten des Teams und zeigte dass unser Team, insbesondere in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, die geforderten Fähigkeiten jederzeit abrufen kann.

In der Nacht konnte das Team noch eine Person aus einem leicht zerstörten Gebäude befreien, nachdem diese durch die Hunde gefunden worden war. Mit der Befreiung der Person endete nach über 36 Stunden auch die Übung.

Das Hauptziel der Übung, die Realisierbarkeit eines „Light“-Teams nach INSARAG-Format, konnte positiv bewertet werden. Gerade die Flexibilität einer kleinen Mannschaft mit wenig Gepäck ist eine wertvolle Komponente im „mix“, also der Zusammenarbeit mit größeren Teams.

Mit den gewonnenen Erkenntnissen kann sich @fire nun mit Zuversicht der 2020 vorgesehenen Klassifizierung durch die INSARAG widmen.

Wir danken den Organisatoren, den Teilnehmern sowie unseren britischen und amerikanischen Freuden für die tolle Zeit und dem TRC Mosbach für die großartige Trainingsmöglichkeit.