Der Brand­stif­ter legte das Feuer west­lich von Fürs­ten­walde quer zum aufkom­men­den Wind mit Grill­an­zün­dern auf einer Länge von 500 Metern. Bevor die ersten Feuer­weh­ren eintra­fen, war die Feuer­front einen Kilo­me­ter breit und lief aufgrund der Kombi­na­tion aus wochen­lan­ger Dürre und böigem Wind mit 3.000 Metern pro Stunde durch den Wald, der zudem muni­ti­ons­ver­seucht ist. Ein direk­ter Angriff ist nicht möglich. Alle Kreis­reg­ner­ket­ten und Schnei­sen werden über­sprun­gen, Zehn­tau­sende Einwoh­ner werden ad hoc evaku­iert und es entwi­ckelt sich ein konvek­ti­ves Mega­feuer wie in Bordeaux, das nach zwei Tagen Berlin-Köpe­nick erreicht und 300 Gebäude zerstört. Dutzende Menschen ster­ben, Hunderte werden verletzt.

Ja, das ist eine Fiktion. Aber sie ist weit davon entfernt, unwahr­schein­lich zu sein.

Es gibt Kata­stro­phen, die man nicht vorher­se­hen kann. Die Geschichte ist voll davon, von Pompeji bis 9/11. Es gibt aber auch Kata­stro­phen, von denen man vorher schon weiß, dass sie passie­ren können und werden. Ein Groß­brand in muni­ti­ons­be­las­te­ten Wäldern, der durch den Wind in Rich­tung von Städ­ten und Sied­lun­gen getrie­ben wird, ist auch in Deutsch­land zu erwar­ten. Ebenso ist zu erwar­ten, dass er sich gege­be­nen­falls zu einem Mega­feuer entwickelt.

Wenn man State­ments von Feuer­wehr­ein­satz­lei­tern hört, stellt man immer wieder fest, dass Feuer­weh­ren „über­rascht“ sind, nämlich davon, dass

• Wald­brände in unweg­sa­men Gebie­ten statt­fin­den,
• Wald­brände bei Wind ein extre­mes Brand­ver­hal­ten zeigen,
• wind­ge­trie­bene Wald­brände mühe­los Riegel­stel­lun­gen über­sprin­gen,
• Wald­brände in muni­ti­ons­be­las­te­ten Gebie­ten statt­fin­den,
• Wald­brände in Phasen heißer Witte­rung stattfinden.

Nichts, gar nichts davon sollte uns über­ra­schen. Im Gegen­teil: Wir müssen genau darauf vorbe­rei­tet sein. Das sind wir aber nicht. Ein paar Highlights:

Mitt­ler­weile hat fast jedes Bundes­land, ebenso wie viele Kommu­nen, einen eige­nen Typ „Wald­brand­lösch­fahr­zeug“ entwi­ckelt. Sicher­lich sind alle mehr oder minder gut durch­dacht, aber weder einheit­lich noch kompatibel.

Da geben Feuer­weh­ren mit ihrem neuen GTLF an, haben es aber nicht geschafft, ihre Ange­hö­ri­gen mit ange­pass­ter Schutz­klei­dung auszu­stat­ten. Diese sind dann logi­scher­weise entwe­der halb­nackt zu sehen oder kolla­bie­ren unter schwe­rer Schutzkleidung.

Bei Brän­den in muni­ti­ons­be­las­te­ten Berei­chen werden immer noch eher verzwei­felte, immens aufwen­dige Maßnah­men durch­ge­führt. Längst hätte es hier einen tech­ni­schen und takti­schen Stan­dard geben müssen.

Hubschrau­ber können immer noch erst mit zu großer Verzö­ge­rung alar­miert und einge­setzt werden. Wenn sie dann da sind, wird mit dem teuers­ten Regen der Welt zumeist unwirk­same Nach­lösch­ar­beit geleistet.

Der takti­sche Werk­zeug­kas­ten besteht immer noch fast ausschließ­lich aus TLF und Schlauch­lei­tun­gen. Führungs­kräfte kennen kaum andere Optio­nen oder deren Einsatz­wert, also ihre Vor- und Nach­teile. Ebenso wenig sind sie darin ausge­bil­det, diese Optio­nen zu nutzen. Da reden wir noch nicht einmal über den takti­schen Feuer­ein­satz, sondern über Dinge, die längst zu den Grund­la­gen gehö­ren soll­ten, etwa Lösch­mann­schaf­ten, Retar­dants und den taktisch geführ­ten Luftfahrzeugeinsatz.

In Sachen Ausbil­dung und takti­scher Stan­dards gibt es die Ausar­bei­tung der UAG Ausbil­dung. Sie ist aber nicht über­all bekannt und nicht an allen Feuer­wehr­schu­len Grund­lage der Ausbil­dung. Warum nicht?

Nach wie vor gibt es keine bundes­ein­heit­li­che, verbind­li­che Richt­li­nie für die Taktik und Ausbil­dung bei Vege­ta­ti­ons­brän­den mit dem „Gewicht“ einer FwDV. Ich habe den Eindruck, dass in den Gremien und bei den Entschei­dern die Verschie­den­heit und Komple­xi­tät von Vege­ta­ti­ons­brän­den massiv unter­schätzt werden.

Oft, zu oft reden wir uns bei Nach­be­spre­chun­gen zu Einsät­zen und Übun­gen ein, dass es zwar ein paar Probleme gab, aber grund­sätz­lich alles super gelau­fen ist, nur weil man nach drei Stun­den mit 500 Einsatz­kräf­ten fünf Hektar statisch bren­nen­den Wald umzin­gelt hat. Das ist kein Maßstab und wird in Zukunft nicht ausreichen.

Wenn es uns in Deutsch­land nicht gelingt, die Träg­heit von Führungs­kräf­ten, die Eitel­kei­ten von Ober­be­hör­den und die Gleich­gül­tig­keit in der Mann­schaft zu über­win­den, um bei Wald­brän­den effek­ti­ver und hand­lungs­si­che­rer zu werden, dann werden wir Feuer erle­ben, die die Brände von 1975 in Sachen Ausdeh­nung, Dyna­mik und Gleich­zei­tig­keit bei Weitem in den Schat­ten stellen.

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